Benefizkonzert Doppelportrait Marguerre Zichner

Silbrige Höhen

Liederabend - Benefizkonzert mit Eleonore Marguerre im Staatstheater Darmstadt

DARMSTADT. Sie ist in Seeheim-Jugenheim geboren, erhielt ihr Gesangsdiplom in Wien, gewann zahlreiche Wettbewerbspreise und debtierte mit der Königin der Nacht aus Mozarts „Zauberflöte” an den bedeutenden Opernhäusern. Gerade 30 Jahre alt, ist Eleonore Marguerre international gefragt, hat aber den Bezug zum heimatlichen Boden nicht verloren. Vor ihrer Premiere im Staatstheater Darmstadt, wo sie am 4. Mai als Gilda in Verdis „Rigoletto” zu hören sein wird, stellte sich Marguerre im Kleinen Haus im Konzert „Stimme für Kinder” mit Liedern von Schubert, Grieg, Bernstein und Richard Strauss vor und unterstützte damit den Förderverein der Darmstädter Kinderkliniken Prinzessin Margaret und die Mitfinanzierung des zweiten Neubaus.
Marguerres Metier ist Koloraturengeläufigkeit. Die konnte sie bei Strauss und dessen opernhaftem Lied „Amor” mit Finesse und mitteilsamer Virtuosität demonstrieren. Treffsicher wie die spitzen Pfeile des Liebesgottes gelangten die silbrigen Tonkaskaden bis in die hintersten Parkettreihen. Ihre Wandlungsfähigkeit von reich gefächertem, weit tragendem und substanziellen Piano („Morgen”, „Allerseelen”) bis hin zu strahlendem Aufblühen der glockig-metallischen Höhe (in den Bravour-Piècen „Kling” und „Cécilie”) verliehen den übrigen Strauss-Liedern ebensolche Intensität wie dem hübschen Kinderlieder-Zyklus „I hate music but I like to sing” von Leonard Bernstein, wo sich die Sängerin als schelmische Geschichtenerzählerin profilierte. Aus den Liedern des ersten Programmteils blieben der neckischironische Zungenschlag von Schuberts „Der Knabe in der Wiege” und die atmosphärischen Seelenbilder sowie die Jungmädchen- Tändeleien Griegs („Die verschwiegene Nachtigall”, „Ein Traum”) in Erinnerung.
Von Anfang an begeisterten die völlig bruchlose Eloquenz, die Geschmeidigkeit und der Obertonreichtum von Marguerres Stimme. Frank-Immo Zichner erwies sich als hellhöriger Partner. Sein Klavierspiel wirkte zuverlässig und unaufdringlich, dennoch wohlakzentuiert und farbenreich. Gleichsam mitatmend reagierte er auf Phrasierungseigenarten der Sängerin. Aus dem weit geöffneten Flügel hätte man sich gelegentlich kräftigere Impulse gewünscht. Ein weiteres Manko: Da Textverständlichkeit gerade bei Frauenstimmen nicht durchweg gewahrt ist, wären abgedruckte Liedtexte hilfreich gewesen. Gleichwohl gab es anhaltenden zustimmenden Beifall im zu drei Vierteln besetzten Kleinen Haus.

Darmstädter Echo vom 25. Februar 2008

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