Puppenhaus-Bastler beschenkt kranke Kinder

Winfried Gärtner (61) baut Puppenhäuser mit ganz viel Liebe zum Detail: Handgedrechselte Miniatur-Treppengeländer, winzige Bettchen, die so kuschlig aussehen, dass man sich hineinlegen möchte, kleine Backöfen, in denen ein noch kleineres Hähnchen schmort, Kühlschränke im Kleinformat, in denen beim Aufmachen der Tür das Licht angeht.

von Helen Knust

Das Hobby macht eine Menge Arbeit. Aber der Rentner aus Hainburg liebt es, mit den eigenen Händen etwas zu schaffen und lebt von der Freude, die er damit machen kann: „Leuchtende Kinderaugen, wenn sie ein Puppenhaus sehen, sind das Schönste.“

Seit gestern gibt es ein solches Spielhaus in den Darmstädter Kinderkliniken Prinzessin Margaret, Gärtner hat es dem Förderverein des Krankenhauses geschenkt. Dem Rentner kommen die Tränen, als ein krankes Mädchen zu den Puppen greift und für einen Moment vergisst, dass es im Krankenhaus ist.

Eine Herzkrankheit zwang den früheren Sachbearbeiter am Frankfurter Flughafen vor einigen Jahren zum Ausstieg aus dem Beruf. Das Basteln ist inzwischen seine Therapie. „Früher war ich Choleriker, in meiner Werkstatt komme ich zur Ruhe“, sagt Gärtner. Lara (7) zur Welt kam. Die Kleine wurde größer und mit ihr wuchsen konkrete Vorstellungen heran, wie so ein Häuschen auszusehen hat.

Im ersten Modell fehlte ihr die Treppe in den ersten Stock, außerdem brauche doch jedes Haus einen Balkon. Fünfmal musste der Opa ran und das Haus umbauen. Und immer kamen ihm neue Ideen, die Räume noch perfekter zu gestalten. Inzwischen hat Lara einen eigenen Reiterhof, ein Hotel, eine Ritterburg, eine Schule, ein Feuerwehrhaus und eine Autorennbahn. Und auch wenn sie bei den Großeltern zu Besuch ist, gibt es genug Spielmöglichkeiten. Aus dem Wohnzimmer der Gärtners ist inzwischen ein kleines Museum geworden. Sechs Häuser wollen dort bespielt werden.

Beim Radiosender HR 4 hatte Winfried Gärtner in der Sendung „Hessens schönste Hobbys“ seine Bastel-Leidenschaft vorgestellt, dann kam ihm die Idee, über den Sender ein Haus zu verschenken. Moderatorin Gabi Schwall und Peter John als Leiter des HR-Studios Darmstadt fiel die Wahl nicht schwer: Kranke Kinder sollten das außergewöhnliche Spielzeug bekommen.

Ein Glücksfall für Petra Langbein (48). Die Erzieherin in der Kinderklinik will das Puppenhaus für ganz besondere Gelegenheiten aufheben. Es ist auf einen Rollcontainer montiert, so dass sie es zu Kindern, die nicht aufstehen dürfen, ans Bett rollen kann. Ins normale Spielzimmer kommt das Häuschen nicht. „Dafür ist es zu wertvoll“, sagt Langbein, auch wenn es nicht ganz so aufwendig gestaltet ist wie die Modelle für Gärtners Enkelin.

Für die Ausstattung der Räume mit Teppichen, Gardinen, Bettwäsche, Handtüchern und Sitzkissen ist Erika Gärtner (58) zuständig. So geschickt wie ihr Mann sägt, hämmert, drechselt und feilt ist sie mit Nadel, Faden und Nähmaschine. Auch kleinere Zubehörteile fallen in ihren Aufgabenbereich. So hat sie als Winfried Gärtner ein Schulhaus gezimmert hat, kleine Lederranzen für die Schüler genäht.

„Es ist mir ein Bedürfnis, etwas für Kinder zu machen“, sagt Gärtner, der seine Werke nicht verkauft. „Geld ist für mich uninteressant.“ Aber auch wenn er ein Haus verschenkt, kann er sich oft nur schwer davon trennen. Der Rentner träumt von einem Puppenhausmuseum, am liebsten bei ihm zu Hause in Hainburg. Kinder unter zehn Jahre hätten dort freien Eintritt und alle Ausstellungsstücke müssten echte Handarbeit sein. Zu bewundern wäre dort auch Gärtners neuestes Projekt: Eine Südstaatenvilla im Stil von „Vom Winde verweht“.

Darmstädter Echo 17.02.2009

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